Vom 14. bis 17. Mai 2026 fand die Mitgliederversammlung des YMCA Europe auf Malta statt und unser Landessekretär Marc Gobien durfte Teil der Delegation des CVJM Deutschland sein.
Rund 100 Delegierte aus über 22 europäischen Ländern kamen zusammen, um sich auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsam an den Zielen des YMCA zu arbeiten. Obwohl nicht alle 36 Mitglieder des europäischen YMCA vertreten sein konnten, spiegelte die Veranstaltung eine beeindruckende Vielfalt an innereuropäischen Kulturen und Perspektiven wider.
Tag 1: Begegnung und gemeinsame Werte
Der erste Tag diente dem Kennenlernen und Ankommen. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, Menschen aus unterschiedlichsten Ländern – von Finnland bis Malta, von Portugal bis in den Kosovo – zu begegnen. Trotz der kulturellen Unterschiede wurde schnell klar, dass alle ein gemeinsames Ziel verbindet: junge Menschen zu befähigen, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und eine friedlichere Welt zu gestalten. Grundlage dieses Engagements ist nach wie vor die Pariser Basis von 1855, die den YMCA seit jeher prägt.
Die Veranstaltung fand in der malerischen Umgebung des AX Odycy Hotels in Qawra, Saint Peter’s Bay, statt. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des YMCA Malta wurde ein Kunstwerk präsentiert: ein farbenfrohes Bild von George Williams, dem Gründer des YMCA, der 1844 die erste Organisation in London ins Leben rief.
Tag 2: Berichte, Diskussionen und gemeinsame Aufgaben
Der zweite Tag stand im Zeichen der formalen Abläufe einer Mitgliederversammlung. Neben den Berichten der Präsidentin des YMCA Europe, des Generalsekretärs und der Schatzmeisterin wurden zentrale Themen in Diskussionsrunden vertieft. Dabei ging es unter anderem darum, wie der YMCA Europe als Umbrella-Organisation bis in die Basis hineinwirken kann.
Das Motto der Veranstaltung, „From Safe Harbor to Home“, unterstrich die gemeinsame Aufgabe des YMCA: Orte zu schaffen, an denen junge Menschen ankommen und sich entfalten können. Diese sicheren Orte sollen frei von Krieg, politischen Unruhen und Verfolgung sein. Neben der Vermittlung christlicher Werte liegt der Fokus auch auf der Förderung essenzieller Fähigkeiten, wie beispielsweise digitaler Kompetenzen. Themen wie der Umgang mit Deepfakes, die Erkennung manipulativer Inhalte und der Schutz demokratischer Werte standen dabei im Mittelpunkt. Der Austausch mit Abgeordneten der EU-Kommission brachte zusätzliche Impulse und Perspektiven ein.
Die Abende boten Raum für Vernetzung und informellen Austausch. Die Teilnehmenden konnten die unterschiedlichen Ansätze und Perspektiven der YMCA-Arbeit aus den verschiedenen europäischen Ländern kennenlernen.
Tag 3: Workshops und Exkursionen
Am dritten Tag standen Workshops und Exkursionen auf dem Programm. In Kleingruppen setzten sich die Teilnehmenden mit dem Begriff „Heimat“ auseinander. Die gesammelten Assoziationen wurden in kurzen Theaterstücken verarbeitet, die die universelle Sehnsucht nach einem sicheren Hafen und einem Zuhause eindrucksvoll darstellten.
Ein Höhepunkt des Tages war die Exkursion in die Hauptstadt Valletta. Der Besuch der St. John’s Co-Cathedral bot einen faszinierenden Einblick in die Geschichte Maltas. Die barocke Architektur, die prunkvolle Gestaltung und die sieben Altarbereiche der Ritterorden des Malteserordens hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Besonders prägend waren die Besuche in den Sheltern des YMCA Malta. Diese Einrichtungen bieten Familien und Einzelpersonen, die von Wohnungslosigkeit oder Obdachlosigkeit betroffen sind, ein Zuhause auf Zeit. Dabei wurde deutlich, dass Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit nicht nur sprachlich – „homelessness“ und „rooflessness“ – sondern auch in ihrer Definition unterschieden werden. Der YMCA Malta hat vier spezifische Formen der Wohnungslosigkeit identifiziert, darunter die Situation junger Erwachsener, die aus finanziellen Gründen gezwungen sind, bei ihren Eltern zu leben. Der begrenzte Wohnraum auf der Insel stellt eine große Herausforderung dar, der der YMCA Malta mit gezielten Programmen begegnet. Besonders bemerkenswert ist, dass es auf Malta gesetzlich verboten ist, im Freien zu übernachten – ein Umstand, der die Perspektive auf die Bedürfnisse von Betroffenen nachhaltig verändert.
Ein wertvoller Austausch
Die Mitgliederversammlung des YMCA Europe auf Malta war geprägt von wertvollen Erfahrungen und inspirierenden Denkanstößen. Der YMCA Malta beeindruckte mit seiner Organisation, und der Austausch mit Menschen aus ganz Europa eröffnete neue Perspektiven. Die gemeinsame Arbeit an den Zielen des YMCA – junge Menschen zu befähigen und sichere Orte zu schaffen – bleibt eine zentrale Aufgabe, die auch über diese Veranstaltung hinaus von Bedeutung ist.